Kleingärten sind keine Vorgärten

Der Einsatz von mineralischen Mulch auf Kleigartenparzellen

Ein wichtiger Arbeitsgang im naturnah bewirtschafteten Kleingarten ist das Mulchen. Darunter versteht man das Aufbringen einer bodenbedeckenden Schicht aus oranischen (also natürlich abbaubaren) Materialien zum Schutz und der Förderung des Bodenlebens. Dadurch werden u.a. Temperatur und Bodenfeuchtigkeit reguliert und aus der Mulchschicht selbst ernähren sich viele Bodenorganismen. Inzwischen haben viele Kleingärtner das Mulchen für sich entdeckt, häufig allerdings aus Gründen scheinbarer „Pflegeleichtigkeit“ und zu dekorativen Zwecken. Denn eine Mulchschicht unterdrückt unerwünschte Wildkräuter, so dass aufwändiges Hacken und Jäten entfällt, die Flächen wirken – je nach Material – ordentlich und gepflegt. Immer häufiger wird dabei auch ein aktueller Trend der pflegeleichten Vorgartengestaltung für Einfamilienhäuser aufgegriffen und in die Gestaltung der Kleingartenparzelle aufgenommen: die Gestaltung mit Kies und anderen mineralischen Materialien. Dabei wird im Einzelfall auch großzügig vorgegangen, ganze Parzellen werden dabei mit Kies gestaltet und überformt. Jedoch: Kiesflächen sind vielleicht hip, aber für eine Flächengestaltung im Kleingarten nur begrenzt tauglich und leider überhaupt nicht pflegeleicht.

Grundsätzlich ist mineralischer Mulch genauso zulässig wie organischer Mulch oder Mulchfolien aller Art. Dabei kommt es allerdings auf eine fachgerechte und einem Kleingarten angemessene Verwendung an. Für den Einsatz von Zierkies als Mulchmaterial ist der Einbau einer Trennlage unverzichtbar, damit der Kies nicht dauerhaft in das Erdreich eindringt, den Boden dadurch verändert und damit die Parzelle dauerhaft belastet. Unter dauerhaft eingesetzten Folien und Vliesen (auch unter wasserdurchlässigen!) stirbt zudem das Bodenleben ab – die Bodenorganismen verhungern am schlichten Mangel organischer Substanz. Zusätzlich entsteht an Kunststoffflächen IMMER Abrieb von Mikro-Kunststoffteilchen, der in den Boden gelangt und eben NICHT biologisch abbaubar ist. Der wird vom Bodenleben aufgenommen und in der Nahrungskette weitergereicht. Das alles macht den Einsatz von Kies als Bodenbedeckung ökologisch fragwürdig, dazu kommen noch Transportwege und hohe Materialkosten.

Mit mineralischem Mulch gestaltete Flächen sollten der Nutzung als Kleingarten angemessen sein, das notwendige Flächendrittel für den Anbau von Obst und Gemüse darf dabei nicht beeinträchtigt werden, denn Kies eignet sich aufgrund der einjährigen Anbauzyklen im Gemüsebeet und nicht zur Bodenbedeckung im Nutzgarten und ist unter Obstbäumen einer starken Verschmutzung ausgesetzt. Dies bedeutet, dass die Flächen, die dem Anbau von Obst und Gemüse dienen, bis auf wenige Sonderanbauformen nicht mit Kies gemulcht werden können.  Für Kiesbeete, im Steingarten und beim Anbau vom mediterranen Kräutern oder Wein hingegen kann sehr gut auch eine mineralische Bodenbedeckung eingesetzt werden. Hier ist in der Regel auch der Einbau einer Trennlage (Folie, Vlies) nicht erforderlich, da die angebauten Pflanzen steinige, kiesige Substrate bevorzugen.

Das Ziel, den Garten gänzlich frei von unerwünschtem Wildwuchs zu halten entspricht nicht einer naturnahen Gartenbewirtschaftung, denn gerade die Flächen des natürlichen Bewuchses bieten der heimischen Flora und Fauna geeignete Nahrungsmöglichkeiten und Rückzugsorte, die diese dringend zum (Über)Leben benötigen. Zierkies in größeren Mengen sollte daher bei Abgabe der Parzelle unbedingt zurückgebaut und die eingebrachten Folien und Vliese dabei rückstandslos entfernt werden. Die Kosten hierfür sind bereits bei Anlage der Flächen einzukalkulieren. Zum Schluss noch ein Hinweis zur Pflege: auch auf Kiesflächen ist der Einsatz von Unkraut-, Algen- und Moosbekämpfungsmitteln (Herbizide) nicht zulässig.